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Lächelnder Barista reicht einem Gast an der Café-Theke Kaffee und Croissant

Insights

Emotionen – der ultimative Gamechanger für L&D?

Emotionen sind starke Motivatoren: Sie beeinflussen unser Verhalten, ohne dass wir es merken, und können das Lernen enorm prägen. Warum zögern wir dann so sehr, das bei der Konzeption von Trainings für Mitarbeitende zu nutzen?

Dean Humphrey

Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Emotionen. Sie gehören wohl zu dem, was uns menschlich macht – doch am Arbeitsplatz tun viele von uns so, als hätten wir eigentlich keine. Schließlich sind wir Profis. Aber was wäre, wenn wir Emotionen bei der Arbeit nicht ausweichen, sondern sie nutzen würden, um unsere Fähigkeiten auszubauen und in unserem Job besser zu werden?

Zahlreiche Studien zeigen, wie wichtig Emotionen für Lernen, Gedächtnis und Motivation sein können. Was wäre, wenn wir dieses Wissen bei der Konzeption von Trainings anwenden könnten, um sie ansprechender und wirksamer zu machen?

Sehen wir uns an, warum Emotionen ein so unterschätztes Werkzeug beim Lernen sind und wie wir sie an den Arbeitsplatz bringen, um Mitarbeitende besser zu schulen.

Was wir über Emotionen und Lernen wissen

Emotionen motivieren uns

Viele unserer alltäglichen Verhaltensweisen sind von Emotionen getrieben, ob wir es merken oder nicht. Wir nehmen einen etwas längeren Weg zur Arbeit, um uns nicht im Stau ärgern zu müssen (negative Emotionen vermeiden), oder wir schauen nach einem harten Tag unsere liebste Wohlfühlserie auf Netflix (positive Emotionen suchen).

Beim Lernen ist es genauso. Wir entscheiden uns für Lernangebote, die uns helfen, positive Emotionen zu erleben und negative zu vermeiden. Wir möchten uns in unserem Wissen sicher und erfolgreich fühlen, und wir möchten die Angst oder Peinlichkeit vermeiden, etwas nicht zu wissen, das wir eigentlich wissen sollten1. Ohne die Angst, durch eine Prüfung zu fallen, oder die Freude, bei einem Hobby besser zu werden, ist Lernen oft nicht besonders motivierend.

Emotionale Ereignisse bleiben im Gedächtnis

Viele Studien zeigen, dass wir uns an emotionale Inhalte besser und länger erinnern als an neutrale. Der Grund: Die Amygdala (der Teil unseres Gehirns, der Emotionen verarbeitet) interagiert mit dem Hippocampus (dem Teil, der für das Gedächtnis zuständig ist), sodass emotionale Ereignisse ins Gedächtnis gelangen und dort länger bleiben2.

Denken Sie an Ihre allererste Erinnerung. Vielleicht ist es die Geburt eines jüngeren Geschwisterkinds, ein Sturz vom Fahrrad oder Ihr erster Familienurlaub. Was auch immer es ist: Wahrscheinlich sind starke Emotionen damit verbunden, positive oder negative. Es würde mich wundern, wenn Ihre erste Erinnerung ein Frühstück an einem beliebigen Dienstag im Alter von drei Jahren wäre. Ereignisse, die etwas in uns auslösen, sind meist die, denen wir Aufmerksamkeit schenken und an die wir uns am besten erinnern.

Attensi BEHAVIOUR-Simulationen

Die Kraft der Emotionen für L&D nutzen

Angesichts dessen, was wir über den Einfluss von Emotionen auf das Lernen wissen, überrascht es mich, dass wir ihre Kraft nicht stärker nutzen, gerade in der betrieblichen Weiterbildung.

Die gängige Methode, Mitarbeitende zu schulen: Man setzt sie vor seitenweise Informationen und lässt sie anschließend ein Multiple-Choice-Quiz ausfüllen. Training erledigt. Aber wo bleibt da die Emotion? Wie hat das die Mitarbeitenden eingebunden und ihnen geholfen, sich an das Gelernte zu erinnern? Wie motiviert sie das, immer wieder zu ihrem Training zurückzukehren und ihre Fähigkeiten zu festigen?

Wenn wir Lernen und Entwicklung für Mitarbeitende dagegen mit Blick auf Emotionen gestalten, entstehen Trainings, an die sich Ihre Mitarbeitenden nicht nur erinnern, sondern zu denen sie immer wieder zurückkehren. Hier einige Wege, wie sich traditionelles Training so erweitern lässt, dass es Emotionen weckt und mehr Engagement schafft.

Immersive Welten

Wenn Ihre Mitarbeitenden während des Trainings etwas empfinden sollen, müssen Sie sie von Anfang an abholen. Dafür braucht es Immersion. Ich sage nicht, dass alle für ihre Arbeitsschutzschulung ein VR-Headset aufsetzen müssen (obwohl das möglich wäre), aber es sollte schon etwas fesselnder sein, als sich durch reinen Text auf einem Bildschirm zu klicken.

Das kann so einfach sein wie eine mobilfreundliche Plattform in den Markenfarben Ihres Unternehmens oder so aufwendig wie eine virtuelle Nachbildung Ihres Arbeitsumfelds, durch die sich Ihre Mitarbeitenden im Training bewegen. Entscheidend ist, das Interesse der Mitarbeitenden vom ersten Moment an zu wecken, damit unterwegs leichter Emotionen entstehen.

Virtuelle Avatare

Menschen sind von Natur aus soziale Wesen. Vom ersten Lebenstag an achten wir mehr auf Gesichter als auf andere Objekte3, weil wir instinktiv wissen, wie wichtig andere Menschen für unser Überleben sind.

Unser Sozialverhalten ist so tief verankert, dass wir sogar virtuelle Avatare sozial behandeln, wenn wir die Gelegenheit dazu haben4. Wenn Sie schon einmal ein Videospiel mit Dialogoptionen gespielt und sich immer für die höfliche Antwort entschieden haben, wissen Sie, was ich meine.

Mit virtuellen Avataren im Training schaffen wir also mehr Realismus und persönliche Beteiligung. Wenn etwa Mitarbeitende im Einzelhandel Kundenservice mit virtuellen Kundinnen und Kunden üben, die wütend oder verärgert reagieren können, löst das deutlich stärkere emotionale Reaktionen aus als traditionelle Methoden.

Sofortiges Feedback

Egal, wer Sie sind oder wie alt Sie sind: Ich garantiere Ihnen, dass Sie sich freuen, wenn bei einem Online-Quiz nach einer richtigen Antwort ein fröhliches „Ding“ ertönt und ein grüner Haken erscheint, und dass Sie enttäuscht sind, wenn nach einer falschen Antwort ein schriller Summer ertönt und ein rotes Kreuz erscheint. Das ist eine emotionale Reaktion.

Das können wir bei der Gestaltung von Trainings nutzen, um Lernende emotional stärker einzubinden. Mit solch sofortigem Feedback bei Wissensabfragen steigern wir ihre Motivation, negative Emotionen zu vermeiden und positive zu suchen – Sie wollen dieses Gefühl des grünen Hakens und strengen sich mehr an, um es zu bekommen.

Punkte und Bestenlisten

Besuchen Sie die Attensi-Büros an dem einen Tag im Jahr, an dem wir alle unsere Datenschutzschulung auffrischen, und Sie sehen, welche Emotionen Bestenlisten auslösen. Grüppchen, die sich um einen einzigen Bildschirm drängen, Frust, Begeisterung, Freude, Kummer – Sie erleben alles.

Sobald Sie beim Mitarbeitertraining ein Wettbewerbselement einführen, verändert sich die Einstellung zum Training komplett. Von Praktikantinnen und Praktikanten bis zum CEO wollen alle die Freude erleben, mehr Punkte als alle anderen zu holen, und das Gefühl vermeiden, auf dem letzten Platz zu landen. So nutzen Sie Emotionen, um Menschen zu motivieren, Trainings bis zur absoluten Meisterschaft zu wiederholen.

Letztlich gilt: Ob Führungskraft oder Neueinsteiger, ob im Gastgewerbe, in der Fertigung oder in einer anderen Branche – wir sind alle nur Menschen. Und Menschen reagieren auf Emotionen. Wenn Sie Ihre Mitarbeitenden also so schulen möchten, dass es hängen bleibt, ist es vielleicht an der Zeit, Ihren Lern- und Entwicklungspfaden etwas mehr Leben einzuhauchen.

Autor

Dean Humphrey, Autor des Artikels, lächelnd mit Brille und Jeanshemd
Dean HumphreyBrand & Content Director Retail & Hospitality Europe | Attensi

Sind Sie bereit, Ihr Training aufs nächste Level zu heben?

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Quellen

  1. Linnenbrink-Garcia, L., Patall, E. A., & Pekrun, R. (2016). Adaptive motivation and emotion in education: Research and principles for instructional design. Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences, 3(2), 228-236.
  2. Tyng CM, Amin HU, Saad MNM and Malik AS (2017) The Influences of Emotion on Learning and Memory. Front. Psychol. 8:1454. doi: 10.3389/fpsyg.2017.01454
  3. Frank MC, Vul E, Johnson SP. Development of infants' attention to faces during the first year. Cognition. 2009 Feb;110(2):160-70. doi: 10.1016/j.cognition.2008.11.010.
  4. Kyrlitsias C and Michael-Grigoriou D (2022) Social Interaction With Agents and Avatars in Immersive Virtual Environments: A Survey. Front. Virtual Real. 2:786665. doi: 10.3389/frvir.2021.786665