Von Attensi · Veröffentlicht am 26. September 2026
Wenn Sie ein Spiel für Lernen, Entwicklung oder Kulturwandel gestalten, müssen zwei Gruppen von Entscheidungen sitzen: die organisatorischen Faktoren, die bestimmen, wie Menschen spielen werden, und die Designentscheidungen, die dafür sorgen, dass sie spielen wollen.
Organisatorische Faktoren
Bevor Sie irgendeine Entwicklung Ihres Spiels in Auftrag geben, überlegen Sie gründlich, wer es spielen wird, wie und wann.
Verfügbare Spielzeit
Was für eine Organisation sind Sie? Arbeiten Ihre Teams zu festen Zeiten oder im Schichtdienst? Wie viel freie Zeit haben sie realistisch, um Ihr Spiel zu spielen?
Ein aufwendiges Rollenspiel (RPG) mit allem Drum und Dran wäre wenig sinnvoll, wenn Ihre Teams nur hier und da 10 Minuten zum Spielen haben. In diesem Fall spielen sie eher Minispiele und schließen diese auch ab, sodass Ihre Mitarbeitenden ihr Training in kleinen Häppchen absolvieren können. Das kann in ruhigeren Phasen einer Schicht passieren, in den Pausen oder sogar auf dem Weg zur Arbeit.
Überlegen Sie aus psychologischer Sicht, wie viel Zeit Teams brauchen, um das Gefühl zu haben, etwas erreicht zu haben. Denken Sie etwa an Duolingo. Viele finden die App geradezu süchtig machend, weil sie ihre tägliche Serie nicht abreißen lassen wollen. Dafür müssen Sie nur rund 5 Minuten für eine Lektion einplanen. Sie haben ein Erfolgserlebnis, bekommen einen schnellen Dopaminkick und, ganz wichtig, kommen am nächsten Tag wieder.
Wäre die App genauso erfolgreich, wenn man täglich eine Stunde investieren müsste? Wahrscheinlich nicht. Duolingo weiß, dass die meisten Nutzer nur ein paar Minuten übrig haben, und bietet deshalb eine Reihe von Minispielen, die sich schnell abschließen lassen. Sie können der App sogar mitteilen, dass Sie gerade kein Audio hören können – ein kleines Detail, das zeigt: Die App versteht, dass Menschen oft an ruhigen Orten oder ohne Kopfhörer lernen.
Auf welchem Gerät wird gespielt?
Muss Ihr Spiel plattformübergreifend verfügbar sein? Nur mobil, für maximale Flexibilität? Wie lässt sich der Fortschritt mitnehmen, wenn jemand unterwegs darauf zugreift?
Wenn Ihre Teams das Spiel auf einem bestimmten Gerät spielen sollen, prüfen Sie, ob Sie dieses Gerät allen bereitstellen können, damit alle die gleiche Chance haben. So hat heute zum Beispiel selten eine ganze Belegschaft Zugang zu einem VR-Headset.
Deshalb ist Mobile oft die bevorzugte Wahl: Die meisten Menschen können das Spiel dann aufrufen und abschließen, wann es ihnen passt.
Themen und Lernziele
Es bringt nichts, kreative Ressourcen in Themen zu stecken, die Ihren Teams weder helfen noch etwas bewirken.
Fragen Sie im Zweifel Ihre Teams. Wo sehen sie ihre Wissenslücken? Wo möchten sie mehr lernen oder ihre Fähigkeiten verbessern?
Davon ausgehend können Sie überlegen, wie Sie diese Lücken am besten schließen, wo das Training mehr Gewicht braucht und wo das Team vielleicht nur eine Auffrischung benötigt.
Haben Sie eine klare Vorstellung davon, welche Lernergebnisse das Training liefern soll. Überlegen Sie außerdem, wie Sie messen, ob diese Bemühungen erfolgreich waren.
Zielgruppe
Entgegen der landläufigen Meinung sind Millennials die größten Gaming-Fans – nicht die nachfolgende Generation Z. Kurz gesagt: Schließen Sie keine Gruppe in Ihrer Organisation von vornherein aus.
Behalten Sie die demografische Zusammensetzung Ihrer Teams im Blick. Wenn sie mit Gaming-Technologie nicht besonders vertraut sind, bietet sich ein Workshop oder eine Demo an. Wenn Sie sicher sind, dass Ihre Leute ans Gaming gewöhnt sind und sich schnell in neue Technik einfinden, kann es sofort losgehen!
Was beim Game Design zählt
Sie wissen jetzt, wer Ihr Spiel spielt, wo gespielt wird und was die Spielenden daraus mitnehmen müssen. Jetzt ist es Zeit, Ihre Vision zum Leben zu erwecken.
Künstlerische Ausrichtung
In welche Richtung soll Ihr Spiel gehen? Soll es eher realistisch sein wie ein RPG oder verspielter, mit Animationen im Cartoon-Stil?
Hier übertragen Sie Ihre Marke in die virtuelle Welt. Bei Attensi entwickeln wir zum Beispiel praxisbasiertes, KI-gestütztes Training und arbeiten eng mit jeder Organisation zusammen, um ihre virtuelle Welt so realistisch wie möglich zu machen – damit Menschen ein echtes Gefühl für ihre tatsächliche Rolle bekommen.
Narrativ
Storytelling ist oft die Zutat, die in konventionelleren Trainingsmethoden fehlt. Hier können Sie die Stärken von Games voll ausspielen, besonders im RPG-Format. Wenn Sie durch wirkungsvolles Storytelling eine emotionale Bindung an Ihr Spiel schaffen, wird Lernen deutlich fesselnder.
Mit einem starken Narrativ und gutem Storytelling legen Sie Helden und Schurken fest, schaffen Raum für spannende Entscheidungen und bieten reichlich Gelegenheit, zu scheitern und Fehler zu machen.
Lernkurve
Ihre Lernkurve beschreibt das Verhältnis zwischen der Leistung von Lernenden und der Anzahl der Versuche oder der Zeit, die sie für eine Aufgabe brauchen. Meist wird sie als Kurve in einem Diagramm dargestellt.
In der Regel gilt: Je öfter eine Aufgabe wiederholt wird, desto besser die Leistung der Lernenden. Es lohnt sich, das zu verfolgen. So sehen Sie klar, wo Ihr Spiel funktioniert und wo Sie nachbessern können. Schließlich soll es nicht zu leicht sein, aber Sie wollen auch wissen, dass Ihre Spielenden genug gefordert werden, um immer wiederzukommen.
Soziale Hierarchien
Betrachten Sie die Struktur Ihrer Organisation. Sie kann bestimmen, wie Sie die sozialen Hierarchien in Ihrem Spiel gestalten.
Überlegen Sie, ob Ihre Organisation in Franchises und verschiedene Standorte aufgeteilt ist. Sollen verschiedene Teams gegeneinander antreten können? Oder bleibt es bei der individuellen Ebene? Vielleicht entscheiden Sie sich auch für eine Mischung – mit gelegentlichen Turnieren, die den Zusammenhalt in Ihren Teams stärken.
Gefahr, Risiko und emotionale Trigger
Diese drei Begriffe mögen dramatisch klingen, aber in diesem Zusammenhang sorgen sie dafür, dass es in Ihrem Spiel um etwas geht. Überlegen Sie im Rahmen Ihres Narrativs, wie Sie emotionale Beteiligung und ein wenig Nervenkitzel erzeugen.
Wenn Sie im Verlauf Ihres Spiels Gefahr, Risiko und emotionale Trigger einbauen, sehen Teams die Konsequenzen ihrer Entscheidungen. Das Schöne daran, dies in einem Spiel zu tun: Die Entscheidungen haben keine realen Konsequenzen, nur virtuelle. Und wenn etwas schiefgeht, können die Teams neu starten und es noch einmal versuchen.
Spiele verändern Verhalten, wenn sie auf echte Menschen, echte Rahmenbedingungen und echte Konsequenzen ausgerichtet sind. Bringen Sie zuerst die organisatorischen Faktoren in Ordnung und nutzen Sie dann künstlerische Ausrichtung, Narrativ, Progression und eine Prise Nervenkitzel, damit Üben zu etwas wird, zu dem Menschen gern zurückkehren.